Interessant an diesem Beitrag ist, dass sich das Bundesland Brandenburg noch heute ganz offiziell in der Tradition Preußens sieht und dabei vor allem die preußischen Tugenden hochhält und sie damit positiv besetzt. Und das unter sozialdemokratischen Ministerpräsidenten.
Zur Erinnerung: Preußische Tugenden sind ja Fleiß, Disziplin, Ordnung, Unbestechlichkeit, Toleranz und Pflichtbewusstsein.
Und ich selbst bin ja Brandenburger und darf von mir sagen, das ich diese Tugenden tatsächlich auch lebe - selbst, wenn es in der Vergangenheit manchmal noch so schwierig war.
Hier dazu ein Textzitat in voller Länge:
»Preußentum als Ethos
„Ich möchte über den Begriff Preußentum nicht missverstanden werden. Obwohl der Name auf die Landschaft hinweist, in der es eine mächtige Form gefunden und eine große Entwicklung begonnen hat, so gilt doch dies: Preußentum ist ein Lebensgefühl, ein Instinkt, ein Nichtanderskönnen; es ist ein Inbegriff von seelischen, geistigen und deshalb zuletzt doch auch leiblichen Eigenschaften, und zwar der besten und bezeichnendsten Exemplare dieser Rasse.“
Oswald Spengler (1880–1936)
Der Denker des Untergangs und der Neuordnung
Spengler ist vor allem durch sein Hauptwerk „Der Untergang des Abendlandes“ bekannt, womit er die intellektuelle Bühne der Weimarer Republik betreten hatte. Das obige Zitat entstammt jedoch seiner 1919 erschienenen Schrift „Preußentum und Sozialismus“. Es ist wichtig, den zeitlichen Kontext zu betrachten: Das Königreich Preußen war politisch durch die republikanische Revolution vom November 1918 zerschlagen worden. Die Monarchie war beendet, die alten Eliten verunsichert.
In diesem Vakuum versuchte Spengler, der als Privatgelehrter und brillanter, wenn auch umstrittener Stilist galt, das „Preußische“ zu retten, indem er es vom Staat und Herrscherhaus löste. Spengler war kein Historiker im strengen Sinne, sondern so etwas wie ein Morphologe der Geschichte. Er suchte nach den inneren Formen und Gesetzmäßigkeiten, die Kulturen formen, treiben und vergehen lassen. Für ihn war Preußen nicht primär eine politische Verwaltungseinheit, wie beispielsweise die Bundesländer in Deutschland und Österreich oder die Kantone in der Schweiz, sondern die höchste Ausformung eines spezifisch abendländischen Willens zur Gestaltung. Seine Bedeutung liegt darin, dass er den Preußenbegriff ins Metaphysische hob und ihn damit – theoretisch – unsterblich machte, unabhängig vom Fortbestehen der Grenzen von 1871.
Vom Landstrich zur Geisteshaltung
Spenglers Analyse vollzieht eine radikale Entterritorialisierung. Er gesteht zwar zu, dass die karge Landschaft der Mark und des Ostens die „mächtige Form“ geprägt hat, doch das Ergebnis dieser Prägung ist für ihn ein bewegliches Ethos, abseits geografischer Zugehörigkeit.
Wenn Spengler von „Instinkt“ und einem „Nichtanderskönnen“ spricht, rührt er an den Kern dessen, was wir heute als die preußischen Sekundärtugenden bezeichnen würden, verleiht ihnen aber eine existenzielle Tiefe. Es geht nicht um das Befolgen von Regeln aus Zwang. Das „Nichtanderskönnen“ beschreibt eine innere Integrität, einen kategorischen Imperativ, der in Fleisch und Blut übergegangen ist. Der „wahre“ Preuße handelt demnach nicht pflichtbewusst, weil er muss, sondern weil seine innere Konstitution ihm gar keine andere Wahl lässt, als dem Ganzen zu dienen. Es ist die Überwindung des Egos zugunsten der Sache.
Besonders erklärungsbedürftig für den heutigen Leser ist Spenglers Verwendung des Begriffs „Rasse“. Wer hier biologisch-darwinistisch liest, missversteht den Philosophen. Spengler meint hier „Rasse haben“ im Sinne von Haltung, von „in Form sein“ – ähnlich wie man bei einem Turnierpferd von Rasse spricht, nicht einfach wegen seiner Gene, sondern wegen seiner Erscheinung, seiner Disziplin, seines Trainings und seiner Leistungsbereitschaft. Es ist ein Begriff der „Zucht“ im Sinne von Erziehung und Selbstformung.
Damit wird Preußentum zu einem Angebot: Es ist die Aufforderung zur Sachlichkeit, zur strengen Arbeit an sich selbst und zur Unterordnung unter eine höhere Idee. Spengler löst Preußen von Potsdam, Berlin und Königsberg und macht es zu einer Charakterfrage.
Spengler beschreibt hier einen Instinkt, der das Ganze über das Ego stellt. Sehen Sie in unserer heutigen, stark individualisierten Zeit noch Raum für dieses ‚Nichtanderskönnen‘, oder ist diese spezifisch preußische Form der Selbstdisziplin mit dem alten Staat unwiederbringlich verloren gegangen?«
Quelle: https://www.facebook.com/share/p/1DFgCyYQ6U/
mit freundlicher Genehmigung von 𝔇𝔦𝔢 𝔐𝔞𝔯𝔨 𝔅𝔯𝔞𝔫𝔡𝔢𝔫𝔟𝔲𝔯𝔤
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Preußentum als Geisteshaltung
Moderator: Barbarossa
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