Über die kurzlebige Kolonialpolitik des ,,Großen Kurfürsten'' Friedrich Wilhelm v. Brandenburg (1640-1688) in Westafrika ist kaum etwas bekannt. Auch mir war bisher nicht klar, dass im Laufe der Zeit tausende westafrikanischer Sklaven auch an den Brandenburgisch-Preußischen Hof gebracht wurden.
Gegründet wurde die Kolonie Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana im Jahre 1681 (also noch vor der Erhebung Preußens zum Königreich), wurde unter seinen Nachfolgern bis zum Jahre 1717 gehalten und erst danach an die Niederlande verkauft.
Der ,,Große Kurfürst'' gründete die ,,Africanische Compagnie'' und handelte mit Edelmetallen und anderen Produkten sowie mit Sklaven. Schätzungen zufolge wurden über diese Kolonie zw. 10.000 und 30.000 Sklaven nach Amerika verkauft.
Erst ab 1695 begann der Handel abzuebben und wurde unrentabel.
zum Nachlesen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gro%C3% ... _(Kolonie)
In Berlin hat dazu eine Sonderausstellung eröffnet, die bis zum 31. Oktober 2023 in Schloss Charlotenburg zu sehen ist.
Quelle: Oranienburger Generalanzeiger - Printausgabe v. 5. Juli 2023
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Die Kolonialplitik Brandenburg-Preußens
Moderator: Barbarossa
- Barbarossa
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Warum wurde die Kolonie verkauft?
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He has called on the best that was in us. There was no such thing as half-trying. Whether it was running a race or catching a football, competing in school—we were to try. And we were to try harder than anyone else. We might not be the best, and none of us were, but we were to make the effort to be the best. "After you have done the best you can", he used to say, "the hell with it". Robert F. Kennedy - Tribute to his father
He has called on the best that was in us. There was no such thing as half-trying. Whether it was running a race or catching a football, competing in school—we were to try. And we were to try harder than anyone else. We might not be the best, and none of us were, but we were to make the effort to be the best. "After you have done the best you can", he used to say, "the hell with it". Robert F. Kennedy - Tribute to his father
Das ist ein sehr interessanter Blick in die Geschichte:
Der Brandenburgisch Afrikanischen Compagnie (BAC) war kein großer Erfolg beschieden. Sie bestand von 1682 bis 1711. Sklavenhandel war gang und gäbe. Diese Menschen begriff man als Ware und „Spielzeug“. (Die Katholische Kirche hat sich bei der Befreiung der Sklaven nicht mit Ruhm bekleckert. Die Päpste blieben in der Sklavenfrage lange bei ihrer moraltheologischen Zurückhaltung und sprachen sich erst im 19. Jahrhundert entschieden gegen die Sklaverei aus.) Zitate aus der sehr ausführlichen Arbeit von Anneli Partenheimer:
https://d-nb.info/1213055288/34
Der Brandenburgisch Afrikanischen Compagnie (BAC) war kein großer Erfolg beschieden. Sie bestand von 1682 bis 1711. Sklavenhandel war gang und gäbe. Diese Menschen begriff man als Ware und „Spielzeug“. (Die Katholische Kirche hat sich bei der Befreiung der Sklaven nicht mit Ruhm bekleckert. Die Päpste blieben in der Sklavenfrage lange bei ihrer moraltheologischen Zurückhaltung und sprachen sich erst im 19. Jahrhundert entschieden gegen die Sklaverei aus.) Zitate aus der sehr ausführlichen Arbeit von Anneli Partenheimer:
Alle, die alt und krank oder mit irgendwelchen körperlichen Gebrechen behaftet waren, sortierte man aus. Die Gesunden und Kräftigen kaufte man und kennzeichnete sie auf der rechten Schulter durch das Brandzeichen CABC für „Churfürstlich Afrikanisch-Brandenburgische Compagnie“. Hatte man fünfzig bis hundert Sklaven beisammen, trieb man sie, zu zweien und dreien aneinandergekoppelt, zur Küste, wo sie verladen wurden.
Hatte Friedrich III./I. bis zuletzt an der Kompanie festgehalten, so war eine der ersten Maßnahmen seines Nachfolgers Friedrich Wilhelm I., sie zum Verkauf anzubieten. Er betrachtete das afrikanische Handelswesen als eine „Schimäre“.
Die Schiffahrts- und Kolonialpolitik des großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg / Anneli PartenheimerDie Suche nach Käufern blieb erfolglos, bis sich im August 1717 die Niederländische Westindien-Companie meldete. Der Verkaufsvertrag vom 18. Dezember 1717 bestimmte, daß Groß-Friedrichsburg und die benachbarten Plätze sowie Arguin für 6000 Dukaten in den Besitz der holländischen Gesellschaft übergehen sollten.
https://d-nb.info/1213055288/34
Zuletzt geändert von Balduin am 05.08.2023, 15:06, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitate aus urheberrechtlichen Gründen gekürzt.
Grund: Zitate aus urheberrechtlichen Gründen gekürzt.
Friedrich Wilhelm I. hatte keinerlei persönliche Beziehungen oder Neigungen zu Marine und Kolonien und konzentrierte sich vielmehr auf den Ausbau der preußischen Armee. --- aus Wikipedia: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gro%C3% ... Kolonie%29
Letztlich der Verkauf, um Geld in die Kassen zu spülen. Wahnsinn, das das vor hunderten Jahren schon so war wie heute.
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He has called on the best that was in us. There was no such thing as half-trying. Whether it was running a race or catching a football, competing in school—we were to try. And we were to try harder than anyone else. We might not be the best, and none of us were, but we were to make the effort to be the best. "After you have done the best you can", he used to say, "the hell with it". Robert F. Kennedy - Tribute to his father
He has called on the best that was in us. There was no such thing as half-trying. Whether it was running a race or catching a football, competing in school—we were to try. And we were to try harder than anyone else. We might not be the best, and none of us were, but we were to make the effort to be the best. "After you have done the best you can", he used to say, "the hell with it". Robert F. Kennedy - Tribute to his father
- Barbarossa
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Von Anfang an hatten auch die Holländer etwas gegen die kolonialen Ambitionen des Brandenburgischen Kurfürsten. Sie karperten sogar einige brandenburgische Schiffe - die Holländer hatten sich wohl zu der Zeit eine gewisse Vormachtsstellung in der Reigion gesichert, die sie dadurch bedroht sahen.
Und - wie du richtig schreibst - unter den Nachfolgern ließen die Amitionen deutlich nach.
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- Barbarossa
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Textzitat in voller Länge:
»Brandenburgs Adler über Afrika
Am 1. Januar 1683 hisste Major Otto Friedrich von der Groeben am „Kap der drei Spitzen“ im heutigen Ghana die Flagge mit dem roten Adler und ergriff im Namen seines Herrn, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Besitz von einem winzigen Stück Westafrikas.
Vorausgegangen waren geschlossene Schutzverträge mit den lokalen Ahanta-Häuptlingen, die dem Bau der Festung Groß Friedrichsburg zustimmten. Während von der Groeben den 1. Januar nach dem bei den protestantischen Staaten noch üblichen julianischen Kalender notierte, schrieben die etablierten europäischen Mächte vor Ort bereits den 11. Januar, gemäß dem heute gängigen gregorianischen Kalender. Man könnte sagen, die Brandenburger waren ihrer Zeit hinterher und tatsächlich betraf es nicht nur den Kalender.
Brandenburg trat spät auf und der Markt war nicht nur weitestgehend aufgeteilt, er war auch buchstäblich hart umkämpft. Niederländer, Engländer, Franzosen, Dänen, Schweden und Portugiesen dominierten mehr oder weniger das Geschehen. Eine Sonderrolle spielten die Spanier, die zwar keine eigenen Festungen in Westafrika unterhielten, als Sklavenabnehmer für ihre amerikanischen Besitzungen jedoch die wichtigsten Handelspartner waren.
Überhaupt war die Lage vor Ort verworren und paradox: In Europa waren Brandenburg und die Niederlande konfessionell und politisch verbündet, doch in Westafrika bekämpfte die Niederländische Westindische Kompanie die Brandenburger Konkurrenten mit äußerster Schärfe.
Maritim war Brandenburg in allen Belangen im Nachteil. Weder verfügte man über eine Tradition zur See, noch über eine schlagkräftige Flotte und – was es wirtschaftlich geradezu dramatisch machte – über keinen leistungsfähigen Seehafen in der Heimat. Mit Stettin hielt Schweden nicht nur die Odermündung fest in der Hand, auch der für Brandenburg geeignetste Seehafen war durch hohe Zölle und wiederholte kriegerische Konflikte laufend versperrt oder unrentabel. Unverhofft bot sich eine Gelegenheit an der Nordsee: Der Kurfürst nutzte einen Konflikt in Ostfriesland, um sich vertraglich den Hafen von Emden als Basis zu sichern.
Das treibende Motiv hinter Friedrich Wilhelms überseeischen Ambitionen war keine koloniale Machtentfaltung, auch keine Frage von Prestige; es waren finanzielle Aspekte, die ihn sowohl zwangen als auch lockten. Das unter seiner Regierung aufgestellte stehende Heer kostete fortlaufend hohe Summen, und die finanziellen Bewilligungen der Landstände erforderten Zugeständnisse seitens des Landesherrn, die der Kurfürst nur ungern ohne Not gewährte. Friedrich Wilhelm hoffte, die Handelsgewinne direkt in die kurfürstliche Schatulle fließen zu lassen und so unabhängiger gegenüber seinen Ständen zu werden.
Merkantilistisch diente die Kolonie als Absatzmarkt für heimische Erzeugnisse, insbesondere für märkische Wollstoffe und Tuche aus dem Krefelder Raum. Diese Textilien wurden gegen Gold, Elfenbein, vor allem aber Sklaven getauscht, wobei letztere in der Karibik, oft über St. Thomas, wiederum gegen koloniale Luxuswaren mit den Spaniern, Engländern und Franzosen gehandelt wurden, um die Wertschöpfung weiter zu maximieren.
Nach anfänglichen Profiten zeigten sich bald strukturelle Defizite: Es fehlte an Kapital und einer ausreichend großen Marine zum Schutz der Routen. Nach dem Tod des Großen Kurfürsten 1688 verlor das Projekt seinen Initiator und Schirmherren. Während sein Sohn und Nachfolger Friedrich III. (I.) aus Prestige noch daran festhielt, zog dessen Erbe Friedrich Wilhelm I. die ökonomische Konsequenz aus der dauerhaften Defizitwirtschaft. Er verkaufte die Besitzungen 1717 an die Niederländische Westindische Kompanie und beendete das koloniale Experiment 1720 endgültig. Brandenburg-Preußen war wieder eine reine Kontinentalmacht geworden und schöpfte seine Mittel aus den eigenen Landen.«
Quelle: https://www.facebook.com/share/1XLasnvcdr/
Mit freundlicher Genehmigung von 𝔇𝔦𝔢 𝔐𝔞𝔯𝔨 𝔅𝔯𝔞𝔫𝔡𝔢𝔫𝔟𝔲𝔯𝔤
»Brandenburgs Adler über Afrika
Am 1. Januar 1683 hisste Major Otto Friedrich von der Groeben am „Kap der drei Spitzen“ im heutigen Ghana die Flagge mit dem roten Adler und ergriff im Namen seines Herrn, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Besitz von einem winzigen Stück Westafrikas.
Vorausgegangen waren geschlossene Schutzverträge mit den lokalen Ahanta-Häuptlingen, die dem Bau der Festung Groß Friedrichsburg zustimmten. Während von der Groeben den 1. Januar nach dem bei den protestantischen Staaten noch üblichen julianischen Kalender notierte, schrieben die etablierten europäischen Mächte vor Ort bereits den 11. Januar, gemäß dem heute gängigen gregorianischen Kalender. Man könnte sagen, die Brandenburger waren ihrer Zeit hinterher und tatsächlich betraf es nicht nur den Kalender.
Brandenburg trat spät auf und der Markt war nicht nur weitestgehend aufgeteilt, er war auch buchstäblich hart umkämpft. Niederländer, Engländer, Franzosen, Dänen, Schweden und Portugiesen dominierten mehr oder weniger das Geschehen. Eine Sonderrolle spielten die Spanier, die zwar keine eigenen Festungen in Westafrika unterhielten, als Sklavenabnehmer für ihre amerikanischen Besitzungen jedoch die wichtigsten Handelspartner waren.
Überhaupt war die Lage vor Ort verworren und paradox: In Europa waren Brandenburg und die Niederlande konfessionell und politisch verbündet, doch in Westafrika bekämpfte die Niederländische Westindische Kompanie die Brandenburger Konkurrenten mit äußerster Schärfe.
Maritim war Brandenburg in allen Belangen im Nachteil. Weder verfügte man über eine Tradition zur See, noch über eine schlagkräftige Flotte und – was es wirtschaftlich geradezu dramatisch machte – über keinen leistungsfähigen Seehafen in der Heimat. Mit Stettin hielt Schweden nicht nur die Odermündung fest in der Hand, auch der für Brandenburg geeignetste Seehafen war durch hohe Zölle und wiederholte kriegerische Konflikte laufend versperrt oder unrentabel. Unverhofft bot sich eine Gelegenheit an der Nordsee: Der Kurfürst nutzte einen Konflikt in Ostfriesland, um sich vertraglich den Hafen von Emden als Basis zu sichern.
Das treibende Motiv hinter Friedrich Wilhelms überseeischen Ambitionen war keine koloniale Machtentfaltung, auch keine Frage von Prestige; es waren finanzielle Aspekte, die ihn sowohl zwangen als auch lockten. Das unter seiner Regierung aufgestellte stehende Heer kostete fortlaufend hohe Summen, und die finanziellen Bewilligungen der Landstände erforderten Zugeständnisse seitens des Landesherrn, die der Kurfürst nur ungern ohne Not gewährte. Friedrich Wilhelm hoffte, die Handelsgewinne direkt in die kurfürstliche Schatulle fließen zu lassen und so unabhängiger gegenüber seinen Ständen zu werden.
Merkantilistisch diente die Kolonie als Absatzmarkt für heimische Erzeugnisse, insbesondere für märkische Wollstoffe und Tuche aus dem Krefelder Raum. Diese Textilien wurden gegen Gold, Elfenbein, vor allem aber Sklaven getauscht, wobei letztere in der Karibik, oft über St. Thomas, wiederum gegen koloniale Luxuswaren mit den Spaniern, Engländern und Franzosen gehandelt wurden, um die Wertschöpfung weiter zu maximieren.
Nach anfänglichen Profiten zeigten sich bald strukturelle Defizite: Es fehlte an Kapital und einer ausreichend großen Marine zum Schutz der Routen. Nach dem Tod des Großen Kurfürsten 1688 verlor das Projekt seinen Initiator und Schirmherren. Während sein Sohn und Nachfolger Friedrich III. (I.) aus Prestige noch daran festhielt, zog dessen Erbe Friedrich Wilhelm I. die ökonomische Konsequenz aus der dauerhaften Defizitwirtschaft. Er verkaufte die Besitzungen 1717 an die Niederländische Westindische Kompanie und beendete das koloniale Experiment 1720 endgültig. Brandenburg-Preußen war wieder eine reine Kontinentalmacht geworden und schöpfte seine Mittel aus den eigenen Landen.«
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Es war mir schon eine ganze Zeit, wie wenn ich zu dem Thema was in meinem Bücherschrank stehen hätte.
Jetzt habe ich es gefunden.
"Schiffe unter dem Roten Adler"
Ein Buch aus dem Jahr 1986 Delius Klasing, Modellbau-Reihe, Autor ein Herr Schmidt aus Magdeburg,
jede Menge Details zum Brandenburgischen Schiffsbau in Havelberg einschl. Risse um die Schiffe als gewiegter Modellbauer anfertigen zu können.
Wie die Schiffe auf der Elbe mit ca. 2 m tiefer Fahrrinne per "Kamel" nach Hamburg transportiert wurden, zur Ausrüstung oder wegen Geldmangel dort bis ans Ende ihrer Tage blieben.
Jetzt habe ich es gefunden.
"Schiffe unter dem Roten Adler"
Ein Buch aus dem Jahr 1986 Delius Klasing, Modellbau-Reihe, Autor ein Herr Schmidt aus Magdeburg,
jede Menge Details zum Brandenburgischen Schiffsbau in Havelberg einschl. Risse um die Schiffe als gewiegter Modellbauer anfertigen zu können.
Wie die Schiffe auf der Elbe mit ca. 2 m tiefer Fahrrinne per "Kamel" nach Hamburg transportiert wurden, zur Ausrüstung oder wegen Geldmangel dort bis ans Ende ihrer Tage blieben.
Noch zwei Bemerkenswerte:
Der Große Kurfürst wollte zuerst die Dänische Kolonialhandlung erwerben, die Verhandlungen zogen sich über einige Jahre hin, der Kurfürst musste teure Kriege führen und hatte deshalb immer wieder kein Geld.
Schließlich war es den Dänen zu "Blöd" und sie verzichteten auf den "Deal".
Daraufhin, etliche Jahre später hat der Große Kurfürst dann seine eigene See- und Kolonialhandlung gegründet.
Als Aktiengesellschaft, die allererste in Deutschland!
Der Große Kurfürst wollte zuerst die Dänische Kolonialhandlung erwerben, die Verhandlungen zogen sich über einige Jahre hin, der Kurfürst musste teure Kriege führen und hatte deshalb immer wieder kein Geld.
Schließlich war es den Dänen zu "Blöd" und sie verzichteten auf den "Deal".
Daraufhin, etliche Jahre später hat der Große Kurfürst dann seine eigene See- und Kolonialhandlung gegründet.
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- Barbarossa
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Ok, das mit Österreich wusste ich auch noch nicht.
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- Barbarossa
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Im folgenden Beitrag geht es um einen Hauptakteur.
Hier das Textzitat in voller Länge:
.
»Otto Friedrich von der Groeben – barocker Weltenbummler in brandenburgischen Diensten
Am 30. Januar 1728 – heute, vor genau 298 Jahren – starb Otto Friedrich von der Groeben auf seinen Gütern bei Marienwerder in Westpreußen.
Der brandenburg-preußische Offizier, Entdecker und Reiseschriftsteller verkörpert einen damals typisch vorkommenden barocken Abenteurers und Weltreisenden aus dem Adel. Im Dienst des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm trug er maßgeblich zur kurzlebigen kolonialen Episode Brandenburg-Preußens bei.
In einer Epoche merkantilistischer Ambitionen, laufender kriegerischer Konflikte und zunehmend weltumspannender Neugier unternahm von der Groeben ausgedehnte Reisen, die ihn nach Afrika, in den Orient und auf europäische Kriegsschauplätze führten. Besonders machen ihn jedoch seine Berichte, die zu den ersten deutschsprachigen dieses Genres gehören. Sie sind nicht nur wertvolle historische Quellen, sondern spiegeln auch das barocke Ideal des gebildeten, tapferen und kosmopolitischen Adligen wider.
Frühes Leben und erste Reisen
Otto Friedrich von der Groeben wurde am 16. April 1657 in Napratten bei Heilsberg im Fürstbistum Ermland geboren. Er entstammte einer alten ostpreußischen und protestantischen Adelsfamilie, erhielt seine Ausbildung jedoch am katholischen Jesuitengymnasium in Rößel. Die jesuitischen Bildungsanstalten genossen einen guten Ruf und es war keine Seltenheit, dass der regionale protestantische Adel seine Kinder in derartigen Einrichtungen ausbilden ließ. Bereits mit 17 Jahren verließ er seine Heimat, um als typischer „Cavalierstourist“ der Zeit Europa und den Orient zu erkunden. Seine Reisen führten ihn nach Italien, Malta, Ägypten, Palästina, Zypern, Spanien, Frankreich und England. In spanischen Diensten nahm er als Soldat an Kämpfen gegen die Osmanen teil und erlitt Verwundungen.
Seine Ausbildung und die frühen internationalen Erfahrungen prägten ihn zum vielsprachigen, kulturbeflissenen Kosmopoliten.
Im Jahr 1680 kehrte von der Groeben nach Brandenburg-Preußen zurück und trat in den Dienst des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Als Kammerjunker am Hof erregte er durch seine Bildung und Reiserfahrungen schnell Aufmerksamkeit. Der Kurfürst, der Brandenburg-Preußen zur Seemacht ausbauen und am lukrativen Überseehandel teilhaben lassen wollte, erkannte in ihm den geeigneten Mann für ambitionierte Unternehmungen.
Die Expedition nach Westafrika und die Gründung einer Kolonie
Die bedeutendste Leistung von der Groebens war die Leitung der zweiten brandenburgischen Expedition an die Goldküste Westafrikas in den Jahren 1682/83. Im Kontext des europäischen Merkantilismus und des atlantischen Dreieckshandels gründete der Große Kurfürst 1682 die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie in Emden, um am Handel mit Gold, Elfenbein und Sklaven teilzunehmen. Von der Groeben erhielt den Oberbefehl über die Fregatten Churprinz von Brandenburg und Morian.
Am 16. Mai 1682 stach die Flotte in See. Nach beschwerlicher Reise erreichte sie Ende Dezember 1682 die Küste des heutigen Ghana. Am 1. Januar 1683 hisste von der Groeben die brandenburgische Flagge bei Pokesu und begann den Bau der Festung Groß-Friedrichsburg. Durch Verträge mit lokalen Ahanta-Häuptlingen sicherte er das Gebiet. Die Festung wurde zum Stützpunkt der brandenburgischen Kolonie, die bis 1717 bestand und am transatlantischen Sklavenhandel beteiligt war. Schätzungen sprechen von 10.000 bis 30.000 verschifften versklavten Afrikanern, die als Kriegsbeute grassierender innerafrikanischer Kriege von den Einheimischen an die Europäer gegen Waren eingetauscht wurden, um dann über den Atlantik in die spanischen Kolonien gebracht zu werden.
Von der Groeben erkundete weitere Küstenabschnitte im heutigen Kamerun, Benin und Nigeria. Tropenkrankheiten dezimierten die Besatzung, er selbst erkrankte schwer. Im Sommer 1683 übergab er das Kommando und kehrte zurück. Für seine Verdienste wurde er zum prospektiven Amtshauptmann von Marienwerder und Riesenburg ernannt.
Militärische Karriere und weitere Reisen
Nach der Afrika-Expedition setzte von der Groeben seine militärische Laufbahn fort. 1686 kämpfte er im venezianischen Dienst im Großen Türkenkrieg auf der Peloponnes. In brandenburg-preußischen Diensten avancierte er 1688 zum Generalmajor, später trat er in polnische Dienste ein und erreichte den Rang eines Generalleutnants. Ab den 1690er Jahren widmete er sich der Bewirtschaftung seiner Güter und der Familie – er war dreimal verheiratet und hatte zahlreiche Kinder.
Seine Erlebnisse hielt er in literarischen Werken fest. Das bekannteste ist die Orientalische Reise-Beschreibung von 1694, die seine frühen Reisen, die Guinea-Expedition und den Morea-Feldzug beschreibt. Das illustrierte Werk in barocker Sprache gilt als eine der ersten detaillierten deutschsprachigen Darstellungen afrikanischer Kulturen und europäischer Handelsstützpunkte.
Otto Friedrich von der Groeben verkörpert den barocken „Weltenbummler“ par excellence: gebildet, abenteuerlustig, neugierig und weltoffen. Die Gründung und der Betrieb der Festung von Groß-Friedrichsburg markiert den Höhepunkt der brandenburg-preußischen Kolonialbestrebungen. Gleichzeitig mahnt sein Engagement im Sklavenhandel an die dunklen Seiten dieser Episode.
In einer Zeit, in der Europa die Welt neu entdeckte und eroberte, steht von der Groeben für die Ambitionen eines aufstrebenden Staates. Seine Reiseberichte bereicherten das Wissen über ferne Kontinente und trugen zur barocken Reiseliteratur bei.«
Quelle: https://www.facebook.com/share/17in9x7xqJ/
mit freundlicher Genehmigung von 𝔇𝔦𝔢 𝔐𝔞𝔯𝔨 𝔅𝔯𝔞𝔫𝔡𝔢𝔫𝔟𝔲𝔯𝔤
Hier das Textzitat in voller Länge:
.
»Otto Friedrich von der Groeben – barocker Weltenbummler in brandenburgischen Diensten
Am 30. Januar 1728 – heute, vor genau 298 Jahren – starb Otto Friedrich von der Groeben auf seinen Gütern bei Marienwerder in Westpreußen.
Der brandenburg-preußische Offizier, Entdecker und Reiseschriftsteller verkörpert einen damals typisch vorkommenden barocken Abenteurers und Weltreisenden aus dem Adel. Im Dienst des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm trug er maßgeblich zur kurzlebigen kolonialen Episode Brandenburg-Preußens bei.
In einer Epoche merkantilistischer Ambitionen, laufender kriegerischer Konflikte und zunehmend weltumspannender Neugier unternahm von der Groeben ausgedehnte Reisen, die ihn nach Afrika, in den Orient und auf europäische Kriegsschauplätze führten. Besonders machen ihn jedoch seine Berichte, die zu den ersten deutschsprachigen dieses Genres gehören. Sie sind nicht nur wertvolle historische Quellen, sondern spiegeln auch das barocke Ideal des gebildeten, tapferen und kosmopolitischen Adligen wider.
Frühes Leben und erste Reisen
Otto Friedrich von der Groeben wurde am 16. April 1657 in Napratten bei Heilsberg im Fürstbistum Ermland geboren. Er entstammte einer alten ostpreußischen und protestantischen Adelsfamilie, erhielt seine Ausbildung jedoch am katholischen Jesuitengymnasium in Rößel. Die jesuitischen Bildungsanstalten genossen einen guten Ruf und es war keine Seltenheit, dass der regionale protestantische Adel seine Kinder in derartigen Einrichtungen ausbilden ließ. Bereits mit 17 Jahren verließ er seine Heimat, um als typischer „Cavalierstourist“ der Zeit Europa und den Orient zu erkunden. Seine Reisen führten ihn nach Italien, Malta, Ägypten, Palästina, Zypern, Spanien, Frankreich und England. In spanischen Diensten nahm er als Soldat an Kämpfen gegen die Osmanen teil und erlitt Verwundungen.
Seine Ausbildung und die frühen internationalen Erfahrungen prägten ihn zum vielsprachigen, kulturbeflissenen Kosmopoliten.
Im Jahr 1680 kehrte von der Groeben nach Brandenburg-Preußen zurück und trat in den Dienst des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Als Kammerjunker am Hof erregte er durch seine Bildung und Reiserfahrungen schnell Aufmerksamkeit. Der Kurfürst, der Brandenburg-Preußen zur Seemacht ausbauen und am lukrativen Überseehandel teilhaben lassen wollte, erkannte in ihm den geeigneten Mann für ambitionierte Unternehmungen.
Die Expedition nach Westafrika und die Gründung einer Kolonie
Die bedeutendste Leistung von der Groebens war die Leitung der zweiten brandenburgischen Expedition an die Goldküste Westafrikas in den Jahren 1682/83. Im Kontext des europäischen Merkantilismus und des atlantischen Dreieckshandels gründete der Große Kurfürst 1682 die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie in Emden, um am Handel mit Gold, Elfenbein und Sklaven teilzunehmen. Von der Groeben erhielt den Oberbefehl über die Fregatten Churprinz von Brandenburg und Morian.
Am 16. Mai 1682 stach die Flotte in See. Nach beschwerlicher Reise erreichte sie Ende Dezember 1682 die Küste des heutigen Ghana. Am 1. Januar 1683 hisste von der Groeben die brandenburgische Flagge bei Pokesu und begann den Bau der Festung Groß-Friedrichsburg. Durch Verträge mit lokalen Ahanta-Häuptlingen sicherte er das Gebiet. Die Festung wurde zum Stützpunkt der brandenburgischen Kolonie, die bis 1717 bestand und am transatlantischen Sklavenhandel beteiligt war. Schätzungen sprechen von 10.000 bis 30.000 verschifften versklavten Afrikanern, die als Kriegsbeute grassierender innerafrikanischer Kriege von den Einheimischen an die Europäer gegen Waren eingetauscht wurden, um dann über den Atlantik in die spanischen Kolonien gebracht zu werden.
Von der Groeben erkundete weitere Küstenabschnitte im heutigen Kamerun, Benin und Nigeria. Tropenkrankheiten dezimierten die Besatzung, er selbst erkrankte schwer. Im Sommer 1683 übergab er das Kommando und kehrte zurück. Für seine Verdienste wurde er zum prospektiven Amtshauptmann von Marienwerder und Riesenburg ernannt.
Militärische Karriere und weitere Reisen
Nach der Afrika-Expedition setzte von der Groeben seine militärische Laufbahn fort. 1686 kämpfte er im venezianischen Dienst im Großen Türkenkrieg auf der Peloponnes. In brandenburg-preußischen Diensten avancierte er 1688 zum Generalmajor, später trat er in polnische Dienste ein und erreichte den Rang eines Generalleutnants. Ab den 1690er Jahren widmete er sich der Bewirtschaftung seiner Güter und der Familie – er war dreimal verheiratet und hatte zahlreiche Kinder.
Seine Erlebnisse hielt er in literarischen Werken fest. Das bekannteste ist die Orientalische Reise-Beschreibung von 1694, die seine frühen Reisen, die Guinea-Expedition und den Morea-Feldzug beschreibt. Das illustrierte Werk in barocker Sprache gilt als eine der ersten detaillierten deutschsprachigen Darstellungen afrikanischer Kulturen und europäischer Handelsstützpunkte.
Otto Friedrich von der Groeben verkörpert den barocken „Weltenbummler“ par excellence: gebildet, abenteuerlustig, neugierig und weltoffen. Die Gründung und der Betrieb der Festung von Groß-Friedrichsburg markiert den Höhepunkt der brandenburg-preußischen Kolonialbestrebungen. Gleichzeitig mahnt sein Engagement im Sklavenhandel an die dunklen Seiten dieser Episode.
In einer Zeit, in der Europa die Welt neu entdeckte und eroberte, steht von der Groeben für die Ambitionen eines aufstrebenden Staates. Seine Reiseberichte bereicherten das Wissen über ferne Kontinente und trugen zur barocken Reiseliteratur bei.«
Quelle: https://www.facebook.com/share/17in9x7xqJ/
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