Geschichte wiederholt sich

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Moderator: Barbarossa

Marianne E.
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Die Geschichte wiederholt sich.

Die AFD ist in den ostdeutschen Ländern die stärkste Kraft und wird vermutlich zu den Landtagswahlen noch einmal zulegen. Die absolute Mehrheit ist in Griffweite.

Die Geschichte wiederholt sich.

In den ostdeutschen Provinzen stellten die Nazis unangefochten die absolute Mehrheit und waren in der Bevölkerung fest etabliert.
Erst kamen die Nazis und dann die Sowjets. Dazwischen war ein bisschen Weltkrieg.
Es muss doch für die Mehrheit der Ostdeutschen eine richtig gute Zeit gewesen sein, so mit SED und individuellen Menschenrechten.
Sonst wünschte man sich doch kein da capo.

Die Geschichte wiederholt sich.
Erst kommen die Nazis und dann die Russen. Und dazwischen?
Remigration und ein bisschen Kriegsspielen?
Skeptik
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Das ist wohl ein deutsches Dilemma. - Im Unterschied zu anderen Ländern mußten die Deutschen in West und Ost nie für eine freiheitliche Demokratie kämpfen. Im Westen bekamen sie es von den Amerikanern „geschenkt", im Osten dann wieder vom Westen. Der Westen hatte schon nach dem 2. Weltkrieg nicht darum kämpfen müssen. Es wurde als ein Geschenk begriffen. Und das „überreichte“ der Westen dann eben auch wieder so an den Osten.

Die Redensart, daß man im Leben nichts geschenkt bekommt, bedeutet sicher auch, daß bestimmte Dinge im Leben erkämpft werden müssen.

Und es gibt die Sprüche:
Geschichte wiederholt sich nicht, aber manchmal ist sie sich ähnlich.
Und:
Man lernt aus der Geschichte der Völker, daß Völker aus der Geschichte nichts lernen.
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Barbarossa
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Es ist ja nicht nur in Deutschland so. Eigentlich erscheint mir Deutschland sogar als eine der sichersten Demokratien. Schaut man in andere Länder, wird es einem noch mulmiger:
In Italien ist eine ,,Postfaschistin'' an der Regierung (auch, wenn sie sich derzeit noch gemäßigt gibt). In Frankreich hat Le Pen derart hoch gegen Präsident Macron gewonnen, dass dieser das Parlament aufgelöst und Neuwahlen ausgeschrieben hat.
Le Pen schickt sich an, 2027 noch einmal zur Präsidentschaftswahl anzutreten.
In Polen hat die PiS beinahe den Rechtsstaat abgeschafft. Nur deren glückliche Abwahl hat verhindert, dass noch größerer Schaden entsteht.
Und von Ungarn will ich gar nicht erst reden...
.
Im November dieses Jahres ist die Wahl des US-Präsidenten. Trump hat eine realistische Chance, wieder ins Weiße Haus einzuziehen. Wenn das geschieht, werden die USA wohl nicht mehr zur freien Welt dazugehören.

Es könnte also sogar noch schlimmer kommen, als je zuvor.
Ich gehe davon aus, das Putin und auch China in vielen Ländern die Finger im Spiel haben.

Ein wenig muss ich dir widersprechen, Skeptik. Wir hier in Ostdeutschland haben unsere Demokratie schon selbst erkämpft - weitgehend ohne Hilfe des Westens. Durch die mächtige Volksbewegung von 1989/90 musste das SED-Regime nachgeben und eine unabhängige Presse und freie Wahlen zulassen. Die Folge war die Abwahl der SED/PDS und die erste demokratische Regierung in der DDR von März bis Oktober 1990.
Was aus dem Westen kam, das waren große finanzielle Hilfen. Ohne diese wäre die Wirtschaft und die Versorgung der Bevölkerung der DDR komplett zusammengebrochen. Das muss man allerdings anerkennen.
Und natürlich die D-Mark - die kam aus dem Westen...
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Skeptik
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Primär war bei der Revolution in der DDR der Wunsch und das Ziel eine Wiedervereinigung. Betrieben wurde das wohl mehr auf europäischer Ebene und auch vorab mit wichtigen Verträgen z.B. mit Polen.
Barbarossa hat geschrieben: 11.06.2024, 18:00 Und natürlich die D-Mark - die kam aus dem Westen...
Und das war doch wohl sehr, sehr motivierend: „Kommt die D-Mark, bleiben wir. Kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr.“ Am 1.7.1990 war es soweit: Währungsunion.

Und im November 1990 wurden weitere wichtige Voraussetzungen geschaffen. Der Streit um die Oder-Neiße-Grenze wurde beigelegt. Nach der Unterzeichnung des Zwei-Plus-Vier-Vertrages folgte sehr schnell im November 1990 die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Grenzvertrages.

Heute scheinen aber noch etwa 50% der Ostbevölkerung in einem mühsamen Lernprozess zu stecken.
Das nutzen rechte Parteien aus.
https://www.politische-bildung-brandenb ... en-einheit
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Barbarossa
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Ich hab den verlinkten Artikel gelesen.
Ich muss dazu sagen, dass das Thema in unserem Forum nicht neu ist. Vor etlichen Jahren hatte ich das bereits thematisiert und da schon einen direkten Zusammenhang mit Polen eher bezweifelt:
viewtopic.php?t=716

Meine wichtigsten Argumente daraus:
,,Viele (vor allem ältere) DDR-Bürger waren noch eingeschüchtert durch die Niederschlagung der Proteste am 17 Juli 1953 - der Bau der Mauer zur Verhinderung der Fluchtbewegung (13. August 1961) tat sein übriges. Nicht vergessen darf man auch die blutigen Niederschlagungen von Protesten in anderen Ostblockländern:
- 1956 in Ungarn
- 1968 in der CSSR
- 1980 auch die Streiks in Polen wurden erst noch blutig niedergeschlagen.

Und seit 1980 war auch die Grenze nach Polen geschlossen. Reisen nach Polen waren DDR-Bürgern seit dieser Zeit gar nicht möglich. Nach meinen Beobachtungen waren diese Ereignisse in ihrer Gesamtheit für uns in der DDR (sofern man denn dem Staat kritisch gegenüber stand) eher einschüchternd, als ermutigend.
Es gibt auch noch einen weiteren Unterschied zu den Voraussetzungen in Polen, die mir bezüglich der DDR eher trennend, als verbindend erscheinen: Die polnische Bevölkerung ist Katholisch. Für sie war der polnische Papst Johannes Paul II. selbstverständlich DAS Idol.
Die Friedliche Revolution in der DDR hatte jedoch ihren Ursprung in den evangelischen Gemeinden - nicht in den Katholischen. Die legendären Montagsdemonstrationen in Leipzig und anderen Städten gingen aus den (politisch motivierten) Montagsgebeten der evangelischen Gemeinden hervor...''
.
Zudem würde ich heute noch hinzufügen, dass die polnische Opposition aus der Gewerkschaft Solidarność hervorging - nicht aus den dortigen Kirchengemeinden.
Insgesamt sind das Unterschiede, die mich an einen direkten Zusammenhang bei beiden Ländern zweifeln lassen.
Lediglich einen Zusammenhang sehe ich, der beide Länder gleichermaßen betraf (hatte ich damals auch angesprochen):
,,Nur eines haben die Bewegungen in allen früheren Ostblockländern gemeinsam:
Sie wurden begünstigt durch den Regierungsantritt von Michail Gorbatschow in der UDSSR, der als erster Machthaber die Opposition in diesen Ländern nicht mehr mit Panzern unterdrücken ließ. Und genau in dem Moment, wo es den Menschen ohne ausländische Intervention ermöglicht wurde, ihr jeweiliges Regime abzuschütteln, da taten sie das auch.''
Das sehe ich heute noch so.
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Barbarossa
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Hier noch einige Kommentare von mir zum verlinkten Artikel:
https://www.politische-bildung-brandenb ... en-einheit

Zitat:
,,Zum einen bin ich überrascht, wie national auch nach 25 Jahren die deutsche Einheit betrachtet wird. Es gibt kaum Veranstaltungen, die das Ereignis auch aus nicht-deutscher Sicht diskutieren.''
Für mich ist das überhaupt nicht überraschend. Auch aus meiner Sicht war das eine absolut nationale Sache. Sogar, dass die früheren Siegermächte noch mitzureden hatten, erschien mir eher als notwendiges Übel. Die Äußerungen von Thatcher machten mich wütend - sogar viele Jahre danach noch.

,,Zum anderen fällt mir die emotionale Distanz zum historischen Vereinigungsprozess auf. Die positive Nachricht ist wohl dabei, dass das vereinigte Deutschland heute für die Deutschen eine Selbstverständlichkeit ist, vergessen sind die Folgen von Jalta, der Eiserne Vorhang, die Leiden der europäischen Teilung.''
Das trifft auf mich nicht zu. Für mich ist das Thema Friedliche Revolution und Deutsche Einheit auch heute noch ein hoch emotionales Thema. Nichts habe ich vergessen.

,,Ohne die Solidarność wären die DDR-Bürger nicht auf die Straßen gegangen...''
Genau das bezweifle ich. Wie schon beschrieben, ging die DDR-Opposition aus den ev. Kirchengemeinden hervor. Deren inzwischen legendären Montagsdemonstrationen gingen aus den politisch motivierten Montagsgebeten hervor, die schon seit etwa 1982 in den Kirchen praktiziert wurden.

,,...die Solidarność forderte auch Moskau heraus, die eigene Politik in Mitteleuropa fundamental zu überdenken. Dem Runden Tisch in Warschau folgten dann Runde Tische in Ungarn, der DDR oder Bulgarien.''
Der Runde Tisch in Polen mag Vorbild auch für die DDR gewesen sein. Moderatoren waren in der DDR oft evangelische Priester.
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Marianne E.
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Lieber Barbarossa,
Du hast ein großes umfassendes Wissen um die Geschichte der DDR, auch von der davor und danach. Wir haben hier im Forum und im Lexikon immer wieder Deine Beiträge lesen dürfen.
Es ist an der Zeit, dieses Wissen zu bündeln und ein Gesamtwerk zu erstellen.
Was meinst Du dazu?
Ich weiß, es macht viel Arbeit und Du hast wenig Zeit. Aber es würde sich "lohnen".
Mit der "wenigen Zeit" kenne ich mich aus. Seit zwei Jahren schreiben ich an einem Thema, das ich zwar sehr liebe, aber viel Zeit einfordert.
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Barbarossa
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Marianne E. hat geschrieben: 12.06.2024, 21:53 Lieber Barbarossa,
Du hast ein großes umfassendes Wissen um die Geschichte der DDR, auch von der davor und danach. Wir haben hier im Forum und im Lexikon immer wieder Deine Beiträge lesen dürfen.
Es ist an der Zeit, dieses Wissen zu bündeln und ein Gesamtwerk zu erstellen.
Was meinst Du dazu?
Ich weiß, es macht viel Arbeit und Du hast wenig Zeit. Aber es würde sich "lohnen".
Mit der "wenigen Zeit" kenne ich mich aus. Seit zwei Jahren schreiben ich an einem Thema, das ich zwar sehr liebe, aber viel Zeit einfordert.
Das klingt für mich grundsätzlich gut.
Aber was stellst du dir unter einem ,,Gesamtwerk'' vor?
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Marianne E.
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Es gibt dieses wunderbare Buch (bei Amazon zu erwerben) "1989/90 Die Friedliche Revolution in der DDR. Die Geschichte der Deutschen"
Das in ähnlicher Weise, mit anderem Aufbau, und was war davor und was kam danach bis heute.
Das wäre in meinen Augen so etwas wie ein Gesamtwerk. Man könnte vielleicht besser Gesamtdarstellung sagen.
Du bis Zeitzeuge u.a. auch für die Befindlichkeiten der Menschen der DDR und eben auch - und vielleicht vor allem - danach.
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Barbarossa
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Ein Buch über das Leben und Denken der Menschen in der DDR?
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Marianne E.
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Zum Teil wäre das möglich. Nur das Denken ist schwer zu formulieren.
Es wäre aufschlussreich, u. A. zu erfahren, wie die "ganz normalen Menschen" die Wiedervereinigung über die Jahrzehnte hinweg beurteilen, wie sie damit in den Anfängen gelebt haben und wie sie es heute tun. Ob die politische Situation oder die gesellschaftliche, beide zusammen oder getrennt das Leben beeinflussen. Und wie es vor der Wiedervereinigung war.
Ich kann das nicht präzise formulieren, stelle aber fest, dass es gewaltige Informationsdefizite gibt (nicht nur bei mir).
Den dicksten Brocken, gewissermaßen den Mittelbauch, hast Du ja bereits zu Papier gebracht und auch hier interessante Referate veröffentlicht.

Fachbücher sind wichtig und werden gebraucht, aber selten gekauft. Ich habe deshalb für meine Bücher einen anderen Weg gewählt. Jedes E-Book darf bei Kindle (Amazon-Kind) bei der Veröffentlichung in einer fünftägigen Werbeaktion von JEDEM Tage kostenlos heruntergeladen werden.
Meine umfangreichen Referate stehen bei Geschichte-Wissen. Daraus entstanden sind dann noch umfangreichere Bücher, die bei Kindle veröffentlicht sind.
Du könntest den umgekehrten Weg wählen, jedenfalls teilweise mit Änderungen und Ergänzungen.

Das macht viel Arbeit und kostet Zeit. Du musst arbeiten, ich darf.
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Barbarossa
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Das ist ein schwieriges Thema, schon weil die Ansichten heute durchaus sehr unterschiedlich sind.
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Marianne E.
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Eben, gerade die unterschiedlichen Ansichten sollten, müssten einmal und öfter freundschaftlich diskutiert werden. Aber zuerst müssten die Ansichten allgemein bekannt werden.
Skeptik
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Barbarossa hat geschrieben: 14.06.2024, 08:30 Das ist ein schwieriges Thema, schon weil die Ansichten heute durchaus sehr unterschiedlich sind.
Wie schnell doch alles „historisch“ wird. Viele die es miterlebt haben leben ja noch. Aber wenn man sich diese Bilder hier anschaut, sind die Menschen einem seltsam fremd in Kleidung, Haartracht und wie sie sich darstellen. Aber im Westen war es ja in gewisser Weise ähnlich:
https://www.google.de/search?q=Menschen ... s-wiz-serp

Der größte Teil der Ostdeutschen war sicher damals hauptsächlich mit dem eigenen Dasein und der Lebenssituation konfrontiert.
Wie seltsam war es für uns, wenn wir gute Bekannte erlebten, die wir jahrelang in der DDR besucht hatten, die sich jetzt quicklebendig und voller Tatendrang im Westen umsahen und ihn hautnah erlebten.

Hier ein Bericht noch aus der DDR-Zeit über Bürger, die schon 1988 Ausreisemöglichkeiten nutzten und der DDR den Rücken zukehrten:
https://www.bpb.de/mediathek/video/552/ ... mitmachen/
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