Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg oder Ukraine vor den Zusammenbruch?

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Moderator: Barbarossa

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Barbarossa
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In der Printausgabe des ,Tagesspiegel' vom Sonntag, dem 10. März war ein interessanter Artikel über die Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg.

Während ein abgehörtes und veröffentlichtes Gespräch deutscher Bundeswehroffiziere hohe Wellen schlug, wurde fast zeitgleich ein weiteres Dokument öffentlich, das bisher kaum Beachtung fand.

Es handelt sich dabei um einen 17-seitigen Entwurf eines Friedensvertrages zwischen der Ukraine und Russland, welches bereits aus dem Frühjahr des Jahres 2022 stammt und das auf von der Türkei vermittelten Gesprächen basierte - also kurz nach den Großangriff der russischen Armee.
Fatalerweise wird dieses Dokument von Putin-Unterstützern dazu benutzt, um Russlands Sichtweise zu stärken: ,,Der Westen will Krieg und boykottiert deswegen jegliche Diplomatie.'' - so das Märchen, welches ich auf Facebook auch schon oft gelesen habe.

Worum geht es in dem Dokument?
Z. B. taucht darin die vorgeschlagene Neutralität der Ukraine auf, die Präsident Selenskkyj zunächst ,,gründlich zu prüfen'' versprach. Doch dies hätte dazu geführt, dass die Ukraine mit schwachem Militär und der weiterhin bestehenden Besetzung der Krim weiteren Aggressionen Russlands ausgesetzt gewesen wäre.
Zudem wurden im April 2022 die Kriegsgräul in Butscha und anderen Städten bekannt...
Somit lehnte Selenskyj den Vorschlag ab.

Tatsächlich gibt es derzeit keine direkten Verhandlungen mit Moskau und ob es zu einem Treffen zwischen Selenskyj und Putin kommen wird, wie der türkische Präsident auszurichten anbot, weiß niemand.

Dennoch gibt es intensive diplomatische Bemühungen zur Beilegung des Ukrainekrieges.
Zu diesen Bemühungen gehört eine etwa auch von Bundeskanzler Olaf Scholz verfolgte Strategie der diplomatischen Einkreisung Russlands, wie auch auf dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau oder bei der Münchener Sicherheitskonferenz.
Dadurch sollen auch jene Länder des globalen Südens, insbesondere die BRICS-Staaten (außer Russland noch Brasilien, Indien, China und Südafrika), aber auch andere Länder vor allen in Afrika den Standpunkt der Ukraine näher gebracht werden am Ende vielleicht sogar teilen, die bisher eher hinter Russland stehen. Immerhin verstehen auch diese Länder, dass der Krieg globale Auswirkungen hat.

Seither wird viel an Detailfragen gearbeitet:
So etwa beim G7-gipfel in Hiroshima im Frühjahr 2023, in Dänemark Ende Juni 2023 (wo seitdem der Begriff ,,Kopenhagen-Prozess'' geprägt wurde) und im August 2023 im saudischen Dschidda mit 40 vertretenen Staaten, Ende Oktober 2023 auf Malta und Ende Januar 2024 in Davos.
Neben dem Gefangenenaustausch und der Rückkehr von Entführten geht es auch um Umweltfragen in den durch den Krieg verseuchten Gebieten.

In Davos (Schweiz) wurden schließlich bei der Zusammenkunft von 80 Staaten auch schwierigere Themen erörtert, wie einen Truppenabzug Russlands und ein möglicher Friedensvertrag. Hier waren die Verhandlungen offenbar so erfolgreich, dass die Gespräche auf höchster Ebene fortgesetzt werden sollen.
Geplant ist dazu ein Gipfeltreffen im Frühjahr - eventuell Mai 2024 - der Staats- und Regierungschefs in der Schweiz. Ziel ist, ein gemeinsames Verständnis für einen Frieden in der Ukraine zu finden, welches als Signal gegenüber Russland gesendet werden soll.
Besonders schwierig ist es dabei, Brasilien mit ins Boot zu holen und überhaupt zu einer Teilnahme an den Gesprächen zu bewegen. Der frühere ukrainische Botschafter in Berlin will Präsident Lula das schmackhaft machen, indem er Brasilien eine Schlüsselrolle als Führungskraft für die Friedensgespräche mit Russland zuschreibt.

Währenddessen ist klar, dass Putin abwartet, wer der nächste US-Präsident wird. Der Gaza-Krieg erschwert zudem die weltpolitische Situation noch. Die Kritik gegenüber Israel wächst und die Meinungen gehen auch hier weit auseinander.
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Cherusker
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Es braucht gar keine Friedensverhandlungen geben, wenn der Aggressor Putin einfach den Krieg beenden würde und wieder aus der Ukraine abzieht. Alles andere würde nur wieder zu neuen Spannungen führen. Nach der Besetzung der Krim hat Putin auch nicht aufgehört.
Marianne E.
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Ich stimme Cherusker zu (wieder einmal, wenn auch selten), es braucht keine Friedensverhandlungen, denn lt. Putin ist der Überfall auf die Ukraine eine "Spezialoperation".
Und der Terminus Friedensverhandlung gilt für Krieg.
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Barbarossa
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Putin eskaliert weiter!

Seit gestern hat sich die Legende von der sog. ,,Spezialoperation'' scheinbar in Luft aufgelöst - Kreml-Sprecher Peskow hat nun offiziell vom ,,Kriegszustand'' gesprochen, in dem sich Russland befände.
zum Nachlesen: https://www.deutschlandfunk.de/kreml-ru ... d-100.html

Bisher stand schon auf die offene Verwendung des Wortes ,,Krieg'' in Russland eine Strafe.

Dies könnte meiner Auffassung nach bedeuten, dass Putin im Krieg gegen die Ukraine weiter eskaliert. Eine größere militärische Mobilmachung hat Putin bisher vermieden - auch aus Rücksicht auf die Stimmung in der Bevölkerung. Jetzt nach seiner inszenierten ,,Wiederwahl'' zum Präsidenten kann er noch weiterreichende Befehle erteilen.
Eine große Mobilmachung war bisher mit der Vokabel ,,Spezialoperation'' nicht zu erklären - mit der Bezeichnung als Krieg aber sehr wohl.

Und die Ereignisse überschlugen sich gestern zudem. Bei einem Terroranschlag in einem Konzertsaal bei Moskau gab es mindestens 60 Tote und über 100 zum Teil Schwerverletzte. Es gab inzwischen mehrere Bekennerschreiben des IS zu diesem Anschlag.
Es gibt jedoch bereits jetzt schon Anzeichen dafür, dass Putin (dieser widerliche Sauar***! - ist nur laut gedacht...) und seine Bande diesen Anschlag mit aller Konsequenz Kiew in die Schuhe schieben will, obwohl Kiew eine Beteiligung sofort dementiert hat und auch Washington erklärt hat, dass dies glaubhaft sei.

Angesichts der Schwäche der Ukrainer durch die akute Unterversorgung ihrer Armee mit Waffen und Munition auf der einen Seite, während auf der anderen Seite die russische Armee durch die hochgefahrene Eigenproduktion und der Belieferung z. B. durch Nordkorea immer stärker wird, könnte es schon recht bald zum entscheidenden Schlag der Russen gegen die Ukraine kommen.
Es sieht jedenfalls alles nicht gut aus.

Und der nächste Konflikt wird von Moskau bereits propagandistisch vorbereitet:
Die moldauischen Separatisten in ,,Transnistrien'' haben Moskau vor einigen Wochen um ,,Hilfe'' ersucht, wegen einer angeblichen (und natürlich nicht vorhandenen) Bedrohungslage durch die Rep. Moldau. Dies wird dann das nächste Ziel Putins sein, sowie er mit der Ukraine ,,fertig'' ist - wie ich schon länger angenommen habe.
Ist ja auch hier nachzulesen: viewtopic.php?f=87&t=7102&fbclid=IwAR1V ... xM_6JuRNF4
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Barbarossa
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Putin eskaliert weiter!

Derzeit scheint es, als ob der Westen nun einfach zuschauen möchte, wie die Ukraine den Krieg verliert. Die Russen überziehen die ganze Ukraine mit Luftangriffen besonders auf die Infrastuktur des Landes, was verstärkt zu Stromausfällen führt.
.
Zudem erwarten sowohl Experten wie auch ich schon bald eine neue Offensive der russischen Armee am Boden. Beim derzeitigen Mangel an Waffen und Munition auf ukrainischer Seite dürfte diese sogar erfolgreich sein. Die Ukrainer bekommen einfach so gut wie nichts mehr, trotz aller Bettelei von Präsident Selenskyj und trotz aller (für mich inzwischen eher scheinheilig anmutenden) Beteuerungen, man würde die Ukraine nicht im Stich lassen.
Die Ukrainer können einem nur noch Leid tun. Ihnen wird nach einer Niederlage nichts übrig bleiben, als nach Mittel- und Westeuropa zu fliehen - ein 40-Mill.-Volk!
Die Regierungen sollten sich schon mal Gedanken darum machen, wo man so viele Menschen unterbringen möchte, wenn man ihnen jetzt nicht genug hilft.
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Barbarossa hat geschrieben: 29.03.2024, 19:15 Putin eskaliert weiter!
Zudem erwarten sowohl Experten wie auch ich schon bald eine neue Offensive der russischen Armee am Boden.
Und die Ärmsten der Armen werden angeworben und als Kanonenfutter in den Krieg geschickt.
...Offiziell sind bisher 13 nepalesische Staatsbürger auf russischer Seite getötet worden. [...] Jene, die zurückkehren konnten, halten mit Vorwürfen nicht zurück: Vor allem die ausländischen Rekruten aus Nepal, Indien, Kuba oder Kirgisistan seien an der russischen Front Kanonenfutter.
https://www.derstandard.de/story/300000 ... -die-front
-
Aber warum gerade Cargo-200?
200 ist die in den Unterlagen festgelegte Gewichtsnorm des Toten, der mit dem Flugzeug zusammen mit dem versiegelten, verzinkten Sarg transportiert wurde. Das heißt, 200 kg. Oder hier ging alles von der entsprechenden Nummer des Befehls des Verteidigungsministeriums der UdSSR aus.
...mit Cargo-300, auch das ist kein Gerücht, bezeichnen unsere Streitkräfte den Transport verwundeter Soldaten vom Schlachtfeld. Dementsprechend werden alle Verwundeten als dreihundert bezeichnet.
...Die Bezeichnung des Verwundetentransports, cargo-300, soll in Analogie zu cargo-200 entstanden sein. Es wurde einfach ein Hunderter dazugegeben. Oder die Gewichtsgrenze für den Transport eines Verwundeten wurde auf 300 kg festgelegt. Es gibt auch die Meinung, dass der Code aus dem Formular Nr. 300 stammt, das für einen solchen Transport ausgefüllt wurde.
https://dzen.ru/a/ZVMa1Ro-bwcqSiLV (übersetzt mit DeepL)
...Erst 1984 wurde ein spezieller Erlass erlassen, der den Transport von Sonderladungen und Leichen toter Soldaten regelte. In diesem Dokument wurde das ungefähre Gewicht eines Zinkbehälters mit einer Leiche mit 200 kg angegeben. Daher der Name "cargo 200", der auch heute noch verwendet wird.
...Zink ist ein hochwertiges Material, das geruchsunempfindlich ist und nicht korrodiert oder sich zersetzt. Auch dank des Zinkkastens bleibt der Leichnam so lange wie möglich in der richtigen Form erhalten, was es den Angehörigen ermöglicht, ihre Lieben ehrenvoll auf die letzte Reise zu begleiten. Ein weiterer Vorteil von Zink ist der niedrige Preis. Unter Kriegsbedingungen war dies ein wichtiger Faktor, der es ermöglichte, nicht viel Geld für die Herstellung und den Transport des Sarges auszugeben.
https://pohoroni.ru/articles/gruz-200/ (übersetzt mit DeepL)
Zuletzt geändert von Balduin am 30.03.2024, 18:57, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Beitrag aus urheberrechtlichen Gründen geändert.
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Nach dem Anschlag wirkt die Putinsche Propaganda offenbar in der Bevölkerung, bei der der Anschlag der Ukraine in die Schuhe geschoben werden soll. Es sollen sich verstärkt junge Russen zur Armee melden. Insgesamt will die Putin-Bande in den nächsten Monaten über 300.000 frische Kräfte rekrutieren. Putins Plan geht also mindestens teilweise auf.
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Barbarossa
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--> Ich habe den Titel des Themas erweitert, weil ich nicht noch einmal ein neues Thema aufmachen und so die Infos auf zu Themen verteilen wollte.

An echte Friedensverhandlungen unter einem Machthaber Putin in Moskau habe ich ohnehin von Anfang an (jedenfalls seit 2022) nicht geglaubt. Statt dessen schwindet nun die militärische Unterstützung für die Ukraine, was auch an der Rhetorik von Präsident Selenskyj herauszuhören ist. Wollte er bisher trotz zunehmend schwieriger Lage Optimismus verbreiten, so ist dieser nun verschwunden. Statt dessen gibt es nur noch verzweifelte Hilferufe, die nach meinen Beobachtungen fast ungehört verhallen.
Es scheint auch nicht am Mangel an Waffen der NATO-Länder zu liegen, dass dort immer weniger Waffen geschickt werden, sondern wirklich am Willen. Denn für ein ohnehin so hochgerüstetes Land, wie Israel sind nach wie vor Waffen und Munition da, um sie dorthin zu schicken.
.
Vergangene Woche wurde meine Annahme von einem Professor der Uni in Bonn bestätigt, welche Folgen eine Niederlage und damit eine vollständige Besetzung der Ukraine hätte. Auch er ging in diesem Fall von einer Fluchtwelle ,,in zweistelliger Millionenhöhe'' aus, die die Staaten in Mittel- und Westeuropa destabilisieren könnte. Also genau das gleiche, wie ich das schon angenommen hatte (ist machzulesen im Pfad: ,,Gedanken zum 3. Oktober'').
.
Will man die Ukraine jetzt verlieren lassen? Falls ja, was verspricht man sich davon? Es ist fast sicher davon auszugehen, dass die russische Armee etwa ab Mai/Juni eine neue Großoffensive starten wird. Beim derzeitigen Mangel an Waffen und Munition, aber auch an Soldaten wird die Ukraine der Offensive nicht mehr viel entgegensetzen können.
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