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Anlässlich zum 13. August 1961: Meine Erfahrungen mit der Berliner Mauer

Verfasst: 13.08.2026, 22:01
von Barbarossa
Heute jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 65. Mal.
Es gab in Berlin aus diesem Anlass viele Veranstaltungen.
Es ist ja dazu auch viel geschrieben und dokumentiert worden.
Darum möchte ich heute einmal meine persönlichen Erfahrungen mit dieser Mauer schreiben.
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Meine Heimatstadt ist ,Hennigsdorf, bei Berlin'.
Genau so stand es noch sehr lange auf alten Schildern auf den Bahnhöfen. So lange, dass ich mich noch daran erinnern kann. Heute steht es so auf keinem Schild mehr.
Tatsächlich grenzte die Stadt Hennigsdorf nordwestlich an das frühere West-Berlin an, genau gesagt am Stadtteil Berlin-Heiligensee. Zur DDR-Zeit bedeutete das, dass auch Hennigsdorf einen stark befestigten Grenzabschnitt - die sogenannte „Mauer“ - zur Stadt hatte.
Und hier wird die Geschichte interessant.

An den meisten Grenzabschnitten außerhalb Berlins war für die große Mehrheit der Bürger „die Mauer“ nicht zu sehen. Es gab ein teilweise kilometerbreites „Grenzgebiet“ (mit Schildern auch genau so gekennzeichnet), in das man schon nicht hinein durfte. Die Mauer war an diesen Grenzabschnitten nicht zu sehen.
Es gab aber auch kleinere Dörfer oder Ortsteile, die innerhalb des „Grenzgebietes“ lagen und wo Leute wohnten. Wer dort einen Verwandten, Bekannten oder Kollegen hatte und ihn zu Hause besuchen wollte, brauchte einen Passierschein, den man extra beantragen musste. Das bedeutete, diese Siedlungen waren schon Kilometer vor der eigentlichen Grenze durch die Grenzsoldaten bewacht und abgeriegelt.
In direkter Nähe von Hennigsdorf gab es so einen kleinen Ort - das war Stolpe-Süd (heute Ortsteil von Hennigsdorf). Und ich hatte dort sogar einen Kollegen aus meiner Brigade im Stahlwerk Hennigsdorf, der dort wohnte. Daher weiß ich das so genau.
Die Straße zu diesem Ort war durch eine Schranke gesperrt und eine Kaserne war gleich daneben.

Einige Jahre nach der „Wende“ - wie die friedliche Revolution (1989/90) im Volksmund im Osten bei Zeitgenossen heute noch heißt, lernte ich in meiner Umschulung (1993-95) dessen Bruder kennen. Er erzählte mir, dass er in der DDR bei der Handelsmarine war und aufgrund dieser Tätigkeit seinen eigenen Bruder nicht zu Hause besuchen durfte. Er bekam solch einen Passierschein also gar nicht.

Als ich etwa 12 Jahre alt war - das muss also etwa 1979 gewesen sein - fing ich an, meine Stadt mit dem Fahrrad ein wenig zu erkunden. Wir wohnten damals in einem neu gebauten Stadtteil - in Hennigsdorf-Nord, der im Plattenbaustiel gebaut war.
Von dort aus fuhr ich bei meinen Ausflügen täglich immer weiter in südlichere Stadtteile. Irgendwann kam ich zur Brücke über dem Havelkanal, über die man musste, wenn man zum südlichsten Stadtteil Niederneuendorf wollte. Nach Niederneuendorf führte nur diese eine Straße.

Heute ist Niederneuendorf ein sehr idyllischer Stadtteil, denn er liegt direkt am Niederneuendorfer See mit langen Promenaden, Stränden usw.
Es ist ein sehr langgezogener See, der im Grunde Teil der Havel ist, nur um einiges breiter als der Fluss. Und er bildet auch heute noch die Grenze zwischen Hennigsdorf und Berlin-Heiligensee.

Damals war dieser Grenzsee zudem noch DDR-Staatsgrenze. Die Strände waren nicht zugänglich, denn direkt vor dem Strand am See verlief die Mauer mit Wachtürmen.
Die Straße nach Niederneuendorf führte hinter der Kanalbrücke dicht am Strand mit der Mauer entlang - so dicht, dass ich alles gut sehen konnte, auf meiner Erkundungstour (zur Erinnerung: mit 12!).
Ich sah eine Mauer aus Beton und noch einen Zaun und Stacheldraht.
Und ich konnte auf dem Wachturm sogar einen Grenzsoldaten mit über die Schulter gehängtem Gewehr erkennen... War mir das vielleicht unheimlich!
Aber ich fuhr weiter, um auch diesen Stadtteil zu erkunden, denn anders als bei Stolpe-Süd, war Niederneuendorf kein offizielles „Grenzgebiet“, für das man einen Passierschein brauchte. Man konnte ohne Kontrolle dorthin. An dieser Stelle musste ich auf meiner Heimfahrt natürlich auch wieder zurück.
Viel öfter bin ich nicht nach Niederneuendorf gefahren - es gab dort auch nicht viel mehr zu sehen, außer der Mauer, an der mir echt mulmig wurde.

Einige Jahre später in meiner Lehrzeit (1985-87) machten dann einige aus meiner Lehrlingklasse ebenfalls Bekanntschaft mit den Grenzanlagen.
Wir hatten unseren theoretischen Teil der Lehre in der damaligen LEW, ein Werk welches heute noch Lokomotiven und Züge herstellt, nur haben die Namen schon mehrfach gewechselt.
Die Turnhalle war in unmittelbarer Nähe zur besagten Brücke nach Niederneuendorf.
Meine Lehrlingskollegen kamen praktisch aus dem ganzen Landkreis: aus Oranienburg, Velten, Germendorf, Liebenwalde, eine auch aus Wall...
Einige von ihnen besaßen schon ein Moped und fuhren eines schönen Tages (es war wirklich schönes Wetter) aus Neugier erstmal an der Turnhalle vorbei über die besagte Brücke, wohl um zu schauen, was noch dahinter ist. Es dauerte aber nicht lange, da kamen sie sehr aufgeregt zurück riefen:
„Da ist ja die Mauer! Da fährst du ja direkt dran vorbei!“
Und ich nur:
„Ja, ich weiß. Das kenne ich schon.“
Ich konnte da nur noch schmunzeln, denn ich hatte genau dieses Erlebnis schon mit 12 auf meinem Fahrrad gehabt.

Insgesamt darf man sagen, die „Mauer“ war ein Bauwerk, das bei jedem Erschrecken und Entsetzen hervorrief, der es zum ersten Mal sah.

Re: Anlässlich zum 13. August 1961: Meine Erfahrungen mit der Berliner Mauer

Verfasst: 14.08.2026, 08:39
von Balduin
Ein schöner Bericht aus einer Zeit, die mit der heutigen Realität kaum mehr etwas zu tun hat. In Deutschland hat sich wirklich sehr viel zum besseren gewendet.

Re: Anlässlich zum 13. August 1961: Meine Erfahrungen mit der Berliner Mauer

Verfasst: 14.08.2026, 18:40
von Barbarossa
Ja, nur würdigen das heute viel zu wenige Leute - sogar auch hier im Osten, wenn man verschiedene Dinge so hört.