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Hier das Textzitat in voller Länge:
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»Otto Friedrich von der Groeben – barocker Weltenbummler in brandenburgischen Diensten
Am 30. Januar 1728 – heute, vor genau 298 Jahren – starb Otto Friedrich von der Groeben auf seinen Gütern bei Marienwerder in Westpreußen.
Der brandenburg-preußische Offizier, Entdecker und Reiseschriftsteller verkörpert einen damals typisch vorkommenden barocken Abenteurers und Weltreisenden aus dem Adel. Im Dienst des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm trug er maßgeblich zur kurzlebigen kolonialen Episode Brandenburg-Preußens bei.
In einer Epoche merkantilistischer Ambitionen, laufender kriegerischer Konflikte und zunehmend weltumspannender Neugier unternahm von der Groeben ausgedehnte Reisen, die ihn nach Afrika, in den Orient und auf europäische Kriegsschauplätze führten. Besonders machen ihn jedoch seine Berichte, die zu den ersten deutschsprachigen dieses Genres gehören. Sie sind nicht nur wertvolle historische Quellen, sondern spiegeln auch das barocke Ideal des gebildeten, tapferen und kosmopolitischen Adligen wider.
Frühes Leben und erste Reisen
Otto Friedrich von der Groeben wurde am 16. April 1657 in Napratten bei Heilsberg im Fürstbistum Ermland geboren. Er entstammte einer alten ostpreußischen und protestantischen Adelsfamilie, erhielt seine Ausbildung jedoch am katholischen Jesuitengymnasium in Rößel. Die jesuitischen Bildungsanstalten genossen einen guten Ruf und es war keine Seltenheit, dass der regionale protestantische Adel seine Kinder in derartigen Einrichtungen ausbilden ließ. Bereits mit 17 Jahren verließ er seine Heimat, um als typischer „Cavalierstourist“ der Zeit Europa und den Orient zu erkunden. Seine Reisen führten ihn nach Italien, Malta, Ägypten, Palästina, Zypern, Spanien, Frankreich und England. In spanischen Diensten nahm er als Soldat an Kämpfen gegen die Osmanen teil und erlitt Verwundungen.
Seine Ausbildung und die frühen internationalen Erfahrungen prägten ihn zum vielsprachigen, kulturbeflissenen Kosmopoliten.
Im Jahr 1680 kehrte von der Groeben nach Brandenburg-Preußen zurück und trat in den Dienst des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Als Kammerjunker am Hof erregte er durch seine Bildung und Reiserfahrungen schnell Aufmerksamkeit. Der Kurfürst, der Brandenburg-Preußen zur Seemacht ausbauen und am lukrativen Überseehandel teilhaben lassen wollte, erkannte in ihm den geeigneten Mann für ambitionierte Unternehmungen.
Die Expedition nach Westafrika und die Gründung einer Kolonie
Die bedeutendste Leistung von der Groebens war die Leitung der zweiten brandenburgischen Expedition an die Goldküste Westafrikas in den Jahren 1682/83. Im Kontext des europäischen Merkantilismus und des atlantischen Dreieckshandels gründete der Große Kurfürst 1682 die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie in Emden, um am Handel mit Gold, Elfenbein und Sklaven teilzunehmen. Von der Groeben erhielt den Oberbefehl über die Fregatten Churprinz von Brandenburg und Morian.
Am 16. Mai 1682 stach die Flotte in See. Nach beschwerlicher Reise erreichte sie Ende Dezember 1682 die Küste des heutigen Ghana. Am 1. Januar 1683 hisste von der Groeben die brandenburgische Flagge bei Pokesu und begann den Bau der Festung Groß-Friedrichsburg. Durch Verträge mit lokalen Ahanta-Häuptlingen sicherte er das Gebiet. Die Festung wurde zum Stützpunkt der brandenburgischen Kolonie, die bis 1717 bestand und am transatlantischen Sklavenhandel beteiligt war. Schätzungen sprechen von 10.000 bis 30.000 verschifften versklavten Afrikanern, die als Kriegsbeute grassierender innerafrikanischer Kriege von den Einheimischen an die Europäer gegen Waren eingetauscht wurden, um dann über den Atlantik in die spanischen Kolonien gebracht zu werden.
Von der Groeben erkundete weitere Küstenabschnitte im heutigen Kamerun, Benin und Nigeria. Tropenkrankheiten dezimierten die Besatzung, er selbst erkrankte schwer. Im Sommer 1683 übergab er das Kommando und kehrte zurück. Für seine Verdienste wurde er zum prospektiven Amtshauptmann von Marienwerder und Riesenburg ernannt.
Militärische Karriere und weitere Reisen
Nach der Afrika-Expedition setzte von der Groeben seine militärische Laufbahn fort. 1686 kämpfte er im venezianischen Dienst im Großen Türkenkrieg auf der Peloponnes. In brandenburg-preußischen Diensten avancierte er 1688 zum Generalmajor, später trat er in polnische Dienste ein und erreichte den Rang eines Generalleutnants. Ab den 1690er Jahren widmete er sich der Bewirtschaftung seiner Güter und der Familie – er war dreimal verheiratet und hatte zahlreiche Kinder.
Seine Erlebnisse hielt er in literarischen Werken fest. Das bekannteste ist die Orientalische Reise-Beschreibung von 1694, die seine frühen Reisen, die Guinea-Expedition und den Morea-Feldzug beschreibt. Das illustrierte Werk in barocker Sprache gilt als eine der ersten detaillierten deutschsprachigen Darstellungen afrikanischer Kulturen und europäischer Handelsstützpunkte.
Otto Friedrich von der Groeben verkörpert den barocken „Weltenbummler“ par excellence: gebildet, abenteuerlustig, neugierig und weltoffen. Die Gründung und der Betrieb der Festung von Groß-Friedrichsburg markiert den Höhepunkt der brandenburg-preußischen Kolonialbestrebungen. Gleichzeitig mahnt sein Engagement im Sklavenhandel an die dunklen Seiten dieser Episode.
In einer Zeit, in der Europa die Welt neu entdeckte und eroberte, steht von der Groeben für die Ambitionen eines aufstrebenden Staates. Seine Reiseberichte bereicherten das Wissen über ferne Kontinente und trugen zur barocken Reiseliteratur bei.«
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