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Die Erhebung Preußens zum Königreich

Die Alleinherrschaft wurde durch die Ideen der Aufklärung abgelöst.

Moderator: Barbarossa

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Barbarossa
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»16. November 1700 - Die Zeugung des Königreich Preußen

Wenn der 18. Januar 1701 als Geburt des Königreich Preußen gilt, so ist der 16. November 1700 der Tag seiner Zeugung.

Die Verhandlungen, die im sogenannten Krontraktat vom 16. November 1700 mündeten, stellten einen entscheidenden Schritt im politischen Aufstieg Brandenburg-Preußens dar. Der Vertrag wurde in der kaiserlichen Hofkanzlei zu Wien zwischen den Vertretern Kaiser Leopolds I. und Brandenburgs ratifiziert. Auf brandenburgischer Seite trat der Resident Christian Friedrich von Bartholdi als Bevollmächtigter auf und unterzeichnete das Dokument im Namen seines Herrschers.

Markgraf Friedrich III. von Brandenburg verfolgte bereits seit den 1690er-Jahren das Ziel, sich innerhalb der europäischen Rangordnung sichtbar aufzuwerten. Der Status eines Markgrafen, auch wenn er Kurfürst war, blieb im höfischen Protokoll auf europäischer Ebene deutlich hinter anderen zurück, was bei diplomatischen Begegnungen und internationalen Verhandlungen wiederholt schmerzlich spürbar wurde. Eine Königswürde innerhalb des Heiligen Römischen Reiches war verfassungsrechtlich ausgeschlossen, da der Königstitel traditionell dem Kaiser und – als beisherige Ausnahme – nur dem König von Böhmen vorbehalten blieb. Eine Lösung bot das außerhalb des Reichs liegende Herzogtum Preußen, das sich seit dem Wehlauer Vertrag (1657) und dem Vertrag von Bromberg (1657/1660) in völliger Souveränität des Hauses Hohenzollern befand. Nur ein souveränes Territorium konnte nach zeitgenössischem Rechtsverständnis die Grundlage für eine Königswürde bilden.

Die Motivation die den Kaiser zu so einer Erhöhung, oder förmlichen Anerkennung bewogen, waren machtpolitische Erwägungen. Zu Beginn des Spanischen Erbfolgekriegs benötigte Leopold I. verlässliche militärische Unterstützung, und Brandenburg erschien als ein wichtiger Partner. Die Zustimmung zum Königstitel sollte diese Bindung sichern, ohne dabei die hierarchischen Strukturen innerhalb des Reiches zu gefährden. Die endgültige Formulierung „König in Preußen“ ergab sich aus zwei Rücksichten: Sie war einerseits ein Kompromiss zur Wahrung der allgemeinen Reichsordnung und sollte verhindern, dass der neue Titel als gleichrangig neben der kaiserlichen Würde verstanden wurde oder andere Reichsfürsten zur Nachahmung anspornte. Andererseits spielte die politische Lage in Osteuropa eine wesentliche Rolle, da ein erheblicher Teil Preußens – das sogenannte königliche Preußen – weiterhin unter der Hoheit der polnisch-litauischen Krone stand. Die Formulierung stellte daher klar, dass der Titel sich ausschließlich auf den souveränen Landesteil, Ostpreußen, bezog und keinen Anspruch auf Gebiete erhob, die nicht in dynastischem Besitz der Hohenzollern waren. Sie erhöhte den Rang Friedrichs, vermied aber einen Titel, der dem Reichsgefüge gleichwertig neben dem Kaiser gestanden hätte.

Mit der Vereinbarung war der Weg zur feierlichen Titelerhebung geebnet. Am 18. Januar 1701 erfolgte schließlich die Selbstkrönung in Königsberg, die Brandenburg-Preußen sichtbar in die Reihe der europäischen Monarchien führte und den Aufstieg der Hohenzollern zu einer staatstragenden Dynastie europäischen Formats deutlich beschleunigte.«
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Barbarossa
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»Staat auf Rädern – Der Weg zur Krone

Es ist der 29. Dezember 1700. Nach zwölf Tagen, die den preußischen Hofstaat an die Grenzen der physischen Belastbarkeit führten, erreicht der gigantische Tross des Kurfürsten Friedrich III. Königsberg.

Was wie ein monumentales Vorspiel zur Krönung am 18. Januar 1701 wirkt, war hauptsächlich ein logistischer Kraftakt. Der Weg, den die künftige Majestät zurücklegte, unterstrich seinen unbeugsamen Willen und Anspruch, den zerstreuten Hohenzollernstaat durch eine Standeserhöhung zu einen.

Die preußische Via Regia

Bevor wir uns die Stationen des „Staats auf Rädern“ näher anschauen, zunächst ein Blick auf die Zahlen: Der Zug, der am 17. Dezember in Berlin aufbrach, war keine bloße Reisegruppe aus einigen Kutschen, sondern eine wandernde Residenz. 300 Wagen, begleitet von einem Heer aus Bediensteten und Gardisten. 30.000 Vorspannpferde waren in einem komplexen Stafettensystem entlang der Route bereitgestellt.
Die herausfordernde Logistik erforderte akribische Planung und umfangreiche Maßnahmen entlang der Wegstrecke. Während der Kurfürst aus mitgeführten „Mundküchen“ gespeist wurde und in lokalen Schlössern, Amtshäusern oder auf Gütern des Adels entlang der Reiseroute nächtigte, musste für die Masse an Mensch und Tier ein engmaschiges Netz aus vorab errichteten Magazinen greifen. Die Verwaltung leistete Erstaunliches, doch das System war bis an die Belastungsgrenze gespannt.

Die Wahl des beschwerlichen Landwegs war den politischen Umständen geschuldet. Der vermeintlich bequemere Wasserweg über die Oder nach Stettin und über die Ostsee nach Pillau war keine Option: Zum einen wegen des unberechenbaren Winterwetters, zum anderen wegen der politischen Lage. Stettin und die Odermündung waren seit der Mitte des Dreißigjährigen Krieges schwedisch. Seit Februar tobte der Große Nordische Krieg. Auch wenn Berlin offiziell noch Neutralität wahrte, war das Verhältnis zu Stockholm angespannt und von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Sich mit den preußischen Kroninsignien in den Zugriffsbereich Karls XII. zu begeben, verbot sich. Der Landmarsch bildete daher die einzig sichere Verbindung.

Der Tross verließ die Residenz Berlin Richtung Osten, passierte Müncheberg und erreichte mit Küstrin das erste Nadelöhr. Die starke Festung sicherte den strategisch wichtigen Übergang über die Oder, dessen Passierung für den gewaltigen Zug eine Geduldsprobe darstellte.
Von Küstrin aus führte die Route weiter nordostwärts durch die Neumark. Die sandigen Wege über Landsberg an der Warthe und Friedeberg, zu anderen Jahreszeiten oft beschwerlich, waren durch den Frost gehärtet und erträglich gut befahrbar. Östlich von Friedeberg, etwa am 20. Dezember, erreichte der Tross die Grenze der Neumark.
Ab hier ging es durch „Polnisch-Preußen“ – jenem Teil des vormaligen Ordensstaats, der sich nach dem Dreizehnjährigen Krieg (1454–1466) der polnischen Krone unterworfen hatte und seither als „Königliches Preußen“ zu Polen gehörte.

Über Schlochau erreichte der Zug schließlich die Marienburg. Es folgten die Stationen Elbing und Braunsberg. Am 28. Dezember überquerte der Tross bei Heiligenbeil die Passarge und erreichte wieder eigenes Territorium: das souveräne Herzogtum Preußen.

Mit dem Einzug in Königsberg am 29. Dezember war eine imposante Distanz von fast 600 Kilometern überwunden. Der Kurfürst konnte sich jetzt auf die eigentliche Krönung am 18. Januar 1701 vorbereiten.
Doch die Krone ändert zunächst nichts an der Zersplitterung des Hohenzollernbesitzes. Preußen wird in diesem Winter nur als Name geboren, noch nicht als gelebte Realität und noch weniger als europäische Großmacht. Der straffe und einheitliche Staat ist noch Zukunftsmusik, doch ein solides Fundament ist gelegt.«
Quelle: https://www.facebook.com/share/1Gg1NVzSF9/
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