Rabin 1995

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Moderator: Barbarossa

andreassolar
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Am 4. November 1995 wurde der israelische Ministerpräsident Itzhak Rabin vom orthodoxen Rechtswissenschafts-Studenten Yigal Amir angeschossen, Rabin starb knapp eine Stunde später an den Folgen der Schussverletzungen.

Das Motiv des Attentäters war Rabins Friedenkurs auch gegenüber den Palästinensern, der eine mögliche Rückgabe von Israel besetzen Gebietes, von Siedlergebieten mit einschloss.

Der Kurs Rabins bzw. des Rabin-Peres-Kabinetts im Friedensprozess wurde dadurch erschwert, und nur 7 Monate später wurde der scharfe Kritiker der Friedensbemühungen vom Likud-Block, Benjamin Netanjahu, nach den Parlamentswahlen 1996 zum Ministerpräsidenten ernannt.

Welcher aktuell wieder als Ministerpräsident amtiert.
  • Angesichts der inzwischen notorischen jahrzehntelangen parteipolitischen Zersplitterungen, der fluenten Partei-Blockbildungen bei einem Staat, der flächenmässig deutlich kleiner als Baden-Württemberg ist und auch weniger Einwohner als BW hat,
  • angesichts einer seit Jahrzehnten zunehmenden orthodoxen, ultraorthodoxen, rechtsnationalistischen und rechtsextremistischen politischen Ausrichtung und Zersplitterung,
  • angesichts vielfacher Brüche von teils sehr heterogenen Regierungskoalitionen und der damit verbundenen erheblichen politischen und gesellschaftlichen Instabilität,
kann man nach dem Ende des Rabin-Peres-Kabinetts bzw. mit dem Mord an Rabin und mit dem Beginn der Netanjahu-Regime 1996 durchaus von einem Ende einer berechenbaren, stabilen politischen Richtung sprechen.
Skeptik
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Bevor Yigal Amir Ministerpräsident Jitzchack Rabin erschoß holte er sich Rat bei religiösen Fachleuten. Orthodoxe Rabbiner hatten zwei halachische Vorschriften ausgegraben: Din Rodef (die Pflicht, einen Juden zu töten, der Leben oder Eigentum eines anderen Juden gefährdet) und Din Moser (die Pflicht, einen Juden zu töten, der einen anderen Juden an Fremde ausliefern will) (zitiert aus: https://www.hagalil.com/israel/rabin/mord/rodef-3.htm ). Yigal Amir ließ sich von Rabbi Schlomo Aviner bestätigen im Namen Gottes zu handeln. Amir hatte ihm die Frage gestellt, ob auf Rabin das Todesurteil des Verräters (Din Rodef und Din Moser) anzuwenden sei. Der Rabbi antwortete, klipp und klar mit ‚Ja!‘. Schlomo Aviners einzige Einschränkung, wegen seiner Position als geistiger Vordenker der national-religiösen Erweckung, als Oberrabbiner von Beth-El und Leiter der Jeschiwah zur Atheret Kohanim sei es ihm verwehrt, dieses Urteil selbst zu vollstrecken.

Benjamin Netanjahu, der Nachfolger von Jitzchak Rabin und Schimon Peres, stammt aus der gleichen Denkschule. Sein Großvater war Rabbiner und zionistischer Aktivist. Sein Vater war einer der wichtigsten Führer des zionistischen Revisionismus in den USA.

Bei der Wahl 2015 mußte Netanjahu um die Mehrheit seiner Likud-Partei bangen und seine Frau Sara war ihm dabei keine große Hilfe. Sie hat einen robusten Charakter und führte im Hause Netanjahu ein strenges Regiment. Es war die Rede von Beleidigungen, Demütigungen und Wutausbrüche gegenüber den Angestellten. Die Mitarbeiter mussten auch lange und ungewöhnliche Arbeitszeiten leisten. Dazu gesellten sich Raffgiervorwürfe auf Staatskosten. Und es gab da noch einen Skandal: das „Bottlegate“. Sara Netanjahu sammelte Flaschen. Pfandflaschen. Die Getränke gingen auf Staatskosten, das Pfandgeld behielt die Politikergattin. Wie der Hausmeister vor Gericht aussagte, habe sie eigens angeordnet, dass nur noch kleinere Flaschen gekauft werden, weil diese mehr Pfand bringen. - Die Wahl konnte trotzdem knapp gewonnen werden.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Jigal_Amir
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlomo_Aviner
https://www.hagalil.com/israel/rabin/mord/rodef-3.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Netanjahu
https://de.wikipedia.org/wiki/Benzion_Netanjahu
https://de.wikipedia.org/wiki/Revisioni ... _Zionismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Sara_Netanjahu
https://www.sueddeutsche.de/panorama/di ... -1.2333378
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Balduin
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andreassolar
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Skeptik hat geschrieben: 07.11.2023, 20:25 Yigal Amir ließ sich von Rabbi Schlomo Aviner bestätigen im Namen Gottes zu handeln. Amir hatte ihm die Frage gestellt, ob auf Rabin das Todesurteil des Verräters (Din Rodef und Din Moser) anzuwenden sei.

Benjamin Netanjahu, der Nachfolger von Jitzchak Rabin und Schimon Peres, stammt aus der gleichen Denkschule. Sein Großvater war Rabbiner und zionistischer Aktivist. Sein Vater war einer der wichtigsten Führer des zionistischen Revisionismus in den USA.
Schlomo Aviner gehört zu den religiösen Zionisten, die Netanjahus zu den revisionistischen, bürgerlich-rechten, ultrarechten Zionisten.

Amir gilt als ultraorthodox, B. Netanjahu als rechter Zionist.

Skeptik, bitte Deine Quellen/Fundstellen, u.a. HaGalil.com, bei den wörtlichen, doch nicht markierten Zitaten angeben.
andreassolar
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Unabhängig von der moralischen Verpflichtung aufgrund der fatalen antijüdischen Verfolgungen und dem Holocaust, kann das politische Regime Israels nach dem Tod Rabins als zunehmend korrupt usw. gelten, angesichts von mutmaßlichen und nachgewiesenen Straftaten führender Politiker wie Minister oder sogar Staatspräsident.

Scharon, Netanjahu, Mosche Katsav, Ehud Olmert.
Skeptik
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andreassolar hat geschrieben: 07.11.2023, 22:28 Skeptik, bitte Deine Quellen/Fundstellen, u.a. HaGalil.com, bei den wörtlichen, doch nicht markierten Zitaten angeben.
Mann, Mann! - Du bringst auch nicht für jeden Piep eine Quelle. - Wer will kann selbst alles googeln. Wie ich auch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Jigal_Amir
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlomo_Aviner
https://www.hagalil.com/israel/rabin/mord/rodef-3.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Netanjahu
https://de.wikipedia.org/wiki/Benzion_Netanjahu
https://de.wikipedia.org/wiki/Revisioni ... _Zionismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Sara_Netanjahu
https://www.sueddeutsche.de/panorama/di ... -1.2333378
Marianne E.
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Skeptik schreibt am 7.11.23: ... Dazu gesellten sich Raffgiervorwürfe auf Staatskosten. Und es gab da noch einen Skandal: das „Bottlegate“. Sara Netanjahu sammelte Flaschen. Pfandflaschen. Die Getränke gingen auf Staatskosten, das Pfandgeld behielt die Politikergattin. Wie der Hausmeister vor Gericht aussagte, habe sie eigens angeordnet, dass nur noch kleinere Flaschen gekauft werden, weil diese mehr Pfand bringen. -
Das ist ja hochhinteressant und extrem wichtig zu wissen.
Es fehlen aber doch noch einige Hinweise:
"Schnarcht die Pfandflaschensammlerin?"
"Hat sie schon einmal von einer Brücke gespuckt?"
"Trägt sie - oh Gott - etwa seidene Wäsche?"
"Nennt sie vielleicht pseudomännliche Diskussionrunden Hahnenkämpfe?"
Skeptik
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Sorry - das sind natürlich alles keine Quellen. Nur "Fundorte".
andreassolar
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Skeptik hat geschrieben: 08.11.2023, 09:35
andreassolar hat geschrieben: 07.11.2023, 22:28 Skeptik, bitte Deine Quellen/Fundstellen, u.a. HaGalil.com, bei den wörtlichen, doch nicht markierten Zitaten angeben.
Mann, Mann! - Du bringst auch nicht für jeden Piep eine Quelle. - Wer will kann selbst alles googeln. Wie ich auch:

https://de.wikipedia.org/wiki/Jigal_Amir
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlomo_Aviner
https://www.hagalil.com/israel/rabin/mord/rodef-3.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Netanjahu
https://de.wikipedia.org/wiki/Benzion_Netanjahu
https://de.wikipedia.org/wiki/Revisioni ... _Zionismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Sara_Netanjahu
https://www.sueddeutsche.de/panorama/di ... -1.2333378
Du hast - ohne Kenntlichmachung als Zitat - wörtliche Übernahmen aus mindestens 2 Presseartikeln. Das ist der Punkt, auf den Marianne, ich und Balduin bereits mehrfach hingewiesen haben. Wenn die Übernahmen aus WP stammen, wo sie mit Quelle ausgewiesen sind, gilt das genauso.

Für nur inhaltliche Übernahmen allgemeiner Natur wie der Einwohnerzahl Israels oder spezielleren wie der andererseits vielfach überlieferten politische Heimat Netanjahus im sogenannten revisionistischen Zionismus - ein 'bürgerlicher', rechtskonservativer, nationaler/nationalistischer Zionismus ohne sozialistische Elemente wie beim bekannteren sozialistischen Zionismus - brauchen gemeinhin nicht Quelle oder Fundort nachgewiesen werden.
Netanjahu ist seit vielen Jahren der wichtigste LIKUD-Politiker, der LIKUD repräsentiert programmatisch sehr je her den revisionistischen Zionismus.

Inhaltlich war und ist es falsch, Netanjahus Vater oder ihn selber der 'Denkschule' eines Schlomo Aviner oder Jigal Amir zuzuordnen. Letztere sind am ehesten ultraorthodoxe Vertreter im Bereich religiösen Zionismus.

Natürlich ist der Zionismus allgemein die bedeutendste Grundlage für die Gründung des Staates Israel gewesen, anfangs vor allem der sozialistische Zionismus. Dies ist wiederum ein hinlänglich bekannter Allgemeinplatz.

Um es (stark vereinfacht) deutlicher zu machen:
  • Der ultraorthodoxe Radikale tötet ggf. jene, die das religiöse, von Gott versprochene Erez Israel gefährden. So wie Rabin als ursprünglicher LinksZionist.
  • Der typische politische LIKUD-Vertreter bekämpft alle, die das Ziel eines nationalistischen Großisrael gefährden oder ggf. fahrlässig für einen Kompromiss einschränken. Für diesen Kampf werden alle möglichen/denkbaren politischen und exekutiven Hebel eingesetzt.
  • Der typische linkszionistische Vertreter setzt(e) die politischen Hebel ein, die zur Erreichung gewisser Ziele, wie der ausreichenden Sicherheit Israels, nötig und möglich sind/waren.
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